Eine kurze Einführung zum Thema

Der Begriff Minimum Viable Product (MVP) stammt aus der Produktentwicklung und wurde von Frank Robinson geprägt und von Steve Blank und Eric Ries bekannt gemacht. Ein MVP bezeichnet ein Produkt, das genau so viele Features enthält, dass es produktiv genutzt und auf den Markt gebracht werden kann, aber keine Features darüber hinaus. 

Es ist das Produkt mit dem höchsten Return on Investment (ROI) in Relation zum Risiko.


Warum macht ein MVP in der Produktentwicklung Sinn?

Eine Minimum Viable Product-Strategie erlaubt es, die Time to Market signifikant zu verkürzen. Gerade im Bereich der Softwareentwicklung, wo man die Zahl an Featurewünschen auf ein machbares Maß minimieren möchte, eignet es sich als Priorisierungsstrategie. So werden Features, die das Produkt für die Zielgruppe erstrebenswert machen von solchen unterschieden, die zwar nice-to-have sind, die Kaufbereitschaft in der Zielgruppe aber nicht erhöhen.

Wichtig: Es geht nicht darum, Mockups zu erstellen, sondern ein minimal ausgestattetes, aber dennoch funktionsfähiges Produkt, mit dem man die reale Kaufbereitschaft in der Zielgruppe und deren Feedback testen kann.

Measure

Dies erlaubt eine Reihe von Experimenten:

  • Man kann überprüfen, für welche Features Kunden bereit sind, mehr Geld auszugeben und für welche nicht.
  • Die Produktentwickler können Paralleltests bei Google AdWords fahren, bei denen im Anzeigentext jeweils eines der potenziellen neuen Features hervorgehoben wird. Die Anzeigen, die die höchste Klickrate haben, weisen auf das Feature hin, das den Kunden am wichtigsten ist.
  • Künstliche Limitierung neuer Produktfeatures: Für welches Feature entscheiden sich die Kunden, wenn nur ein einziges neues Features möglich ist?

Falls relevante Features fehlen oder das Produkt nicht so funktioniert, wie es sich die Zielgruppe wünscht, wird sie das schnell artikulieren.

 

Anwendungsbeispiele aus dem Teilnehmerkreis:

  • Stufenweise Werbung und Finanzierung für ein Barcamp: Zunächst wird ein Barcamp mit minimalen „Features“ beworben. Mit dem Erlös aus der ersten Ticketverkaufsrunde kann das Barcamp dann besser ausgestattet werden, z.B. was die Location und die Verpflegung angeht. Mit dem neuen, verbesserten Angebot kann man dann in eine zweite Ticketverkaufsrunde gehen.
  • Modulare Konfiguration einer Versicherungspolice auf der Unternehmenswebseite

MVP ist gut einbettbar in sämtliche Projektmanagement-Methoden, von Agile bis Wasserfall. Aus den Backlogs lassen sich Quartalsziele ableiten, aus denen dann wiederum MVPs erstellt werden. So erfährt man schnell, welche Features den Kunden wichtig sind und läuft nicht Gefahr, jahrelang an Produkteigenschaften zu arbeiten, die für die Zielgruppe von untergeordneter Bedeutung sind (Stichwort „Minmum Viable Feature“).

 

Muster brechen

In Deutschland neigt man dazu, immer die 99-Prozent-Lösung anzustreben. Folge: In den letzten Jahren kamen kaum noch Softwareinnovationen aus Deutschland. Für großes Aufsehen hat zuletzt Wunderlist gesorgt, das aber ebenfalls als MVP aus der „großen“ Lösung Wunderkit hervorgegangen ist.

 

Internal MVP

MVPs kann man nicht nur für die Produktentwicklung einsetzen, sondern auch für interne Projekte.

Beispiele:

  • Man kann mit Hilfe von Spielgeld bestimmen, wie viel ein bestimmtes Feature den internen Stakeholdern wert ist.
  • Oder: Interne Verantwortliche müssen von ihren Kostenstellen Geld abzweigen, um die Entwicklung von Features zu bezahlen, auf die sie großen Wert legen.
  • Oder: Interne Stakeholder können auf die Features, die ihnen wichtig sind, bieten („bidding culture“).
  • Wenn ein Projekt Nutzen generiert, kann man den internen Investoren im Sinne einer Projektbank Rendite auszahlen.

 

Learn

Man lernt in der Interaktion mit dem Kunden, der das MVP testen und Feedback dazu äußern kann: Welche Features animieren den Kunden zum Kauf? Wer sind die Entscheider? Wie laufen die Entscheidungsprozesse?

So kann man implizite Annahmen über das Produkt explizit machen und sie ggf. verwerfen. Auch das Feedback wird so relativiert, denn oft täuscht das Feedback einiger weniger über vorherrschende im Kundenstamm hinweg. 

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