Projekt

Definition: Was ist ein Projekt

Begriffsdefinitionen

Institutionen, Organisationen und Unternehmen und tun gut daran, für ihre Arbeit  klar zwischen Projekten und „Nicht“-Projekten zu unterscheiden.
Tun sie das nicht, geraten sie entweder in die „Projektitis“-Falle -  alles und jedes ist ein Projekt-  oder in es gibt überhaupt keine Projekte, nur Sonderaufgaben, ganz gleich, wie groß und umfangreich diese sind.

Diese Abgrenzung ist nicht immer einfach, aber immer sinnvoll, um Missverständnisse und überflüssige, zeitraubende Diskussionen zu vermeiden.
Besonders wichtig ist dies für alle Organisationen und Unternehmen, in denen Linie/Hierarchie und Projekte nebeneinander „koexistieren“.

Das sind keine Projekte

Alle eingeführten, permanenten Prozesse und Vorgänge, alle Routineaufgaben aus der Linie sind keine Projekte.
Alle Prozesse, Vorgänge und Aufgaben, die ein einzelner Mitarbeiter allein bearbeiten bzw. ausführen kann, sind - in der Regel - keine Projekte,  dazu gehören auch Sonderaufgaben für einzelne Mitarbeiter.

Das sind Projekte:

Definition 1:

Projekte sind besondere Aufgaben mit einer gewissen Einmaligkeit, meist mit einem erhöhtem Risiko und besonderer Bedeutung für das Unternehmen.
Häufig sind diese Aufgaben bereichsüberschreitend, d.h. es sind mehrere Abteilungen, Bereiche, oft sogar verschiedene Unternehmen beteiligt. Es geht darum:

  • die vereinbarten/angestrebten Ziele
  • in der geplanten oder vorgegebenen Zeit
  • im vorgesehen Kostenrahmen
  • mit den verfügbaren Ressourcen
  • in methodischen Schritten entsprechend passender Vorgehensmodelle
  • mit den beteiligten Mitarbeitern, Abteilungen, Firmen möglichst vollständig und gut zu erreichen.

Definition 2

In seinem Buch „Project Management“ stellt H. Kerzner fünf Fragen:

  1. Sind die Aufgaben technisch oder organisatorisch komplex?
  2. Gibt es dynamische und zwingende Umwelt- oder gesetzliche Randbedingungen, die erfüllt werden müssen?
  3. Sind Kostenbudgets und Zeitplanung eng?
  4. Müssen zahlreiche Teilaufgaben integriert werden?
  5. Gehen die Aufgaben über funktionelle oder gar Unternehmensgrenzen?

Werden alle diese Fragen mit ja beantwortet, dann wird Projektmanagement in einer passend formalisierten Form nötig.
Harold Kerzner, "Project Management, A Systems Approach to Planning, Scheduling and Controlling”, 6th Edition, Wiley, 1998“

Definition 3:

In DIN 69901 des Deutschen Instituts für Normung wird ein Projekt definiert als:
„… ein Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie z. B.:

  • Zielvorgabe
  • zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Begrenzungen
  • Abgrenzungen gegenüber anderen Vorhaben
  • projektspezifische Organisation"

Definition 4

Im „Project Management Body of Knowledge“ des amerikanischen Project Management Institute wird ein Projekt definiert als:
„… ein zeitlich begrenztes Unternehmen, das unternommen wird, um ein einmaliges Produkt, eine Dienstleistung oder ein Ergebnis zu erzeugen.“ (Quelle: "Projekt", Wikipedia)

Definition 5

In der „IPMA Competence Baseline“ der International Project Management Association (IPMA) wird ein Projekt definiert als:
„ein zeit- und kostenbeschränktes Vorhaben zur Realisierung einer Menge definierter Ergebnisse entsprechend vereinbarter Qualitätsstandards und Anforderungen (Erfüllung der Projektziele) …“
(Quelle: "Projekt", Wikipedia)

Zwei realistische Beispiele

Aus dem Projektleitfaden eines großen Produktionswerkes

Ein Organisationsprojekt muss:

  • funktionsübergreifend sein
  • ein definiertes Ziel haben
  • einen erkennbaren Nutzen haben
  • realisierbar sein
  • einen Anfang und ein geplantes Ende haben
  • in methodischen Schritten abgearbeitet werden
  • Auftraggeber/Initiator haben
  • einen Projektleiter und Projektteam-Mitglieder haben

Anmerkung: „ein Mann/Frau“-Projekte sind ausdrücklich nicht gestattet!

Projektdefinition einer Entwicklungsabteilung:

Ein Projekt ist die Planung und Durchführung eines einmaligen, aus mehreren Aktivitäten bestehenden, zeitlich begrenzten und zielgerichteten Vorhabens,
das besondere organisatorische Vorkehrungen erfordert. Die Abarbeitung des Vorhabens erfolgt typischerweise in unterschiedliche Phasen
(Definitions-, Planungs-, Realisierung- und Abschlussphase), wie sie im Phasen-Stufenplan beschrieben sind. Ist dieser Ablauf nicht gegeben,
so handelt es sich nicht um ein Projekt, sondern um einen innerhalb der hierarchischen Struktur abzuarbeitenden Auftrag. 

Anmerkung: „ein Mann/Frau“-Projekte sind ausdrücklich gestattet, um auch die wichtigen aber oft kleinen Vor-Entwicklungsprojekte einzubeziehen!


Hintergrund zu Projektdefinition

PMBackstage: Was ist ein Projekt?

Beiträge zum Projektbegriff auf openPM

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11 Kommentare

  1. Viele der akzeptierten Projektdefinitionen beinhalten Aspekte WIE das Projekt angegangen wird.

    Ganz offensichtlich ist eine solche Definition selbstbezüglich, den es setzt ein Projekt voraus, und ist damit widersprüchlich (oder drastischer und unfreundlich: nutzloses Geschwätz)

    Eine korrekte Definition für Projekte darf nur das WAS umfassen aber niemals das WIE.

    Beispiele:

    Die Suche nach dem Beweis für den großen Fermat'schen Satz (mittlerweile bewiesen!) ist nach meinem Verständnis ein Projekt, nach obigen Definitionen aber nicht.

    Die Suche nach dem Seeweg nach Westindien war ein gescheitertes Projekt, das jedoch aus anderer Sicht glücklich und wertvoll war.

    Nach meinem Verständnis muss ein Projekt immer die Suche nach konkreten, wiederholbaren Anweisungen beinhalten, wie ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist.

    Um es nochmal hervorzuheben

    • "Suchen" heißt, die Anweisungen sind nicht bekannt, es ist also etwas neues.
    • "konkret" heißt abstrakte Anweisungen gelten nicht, heißt eine Methode (z.B. wie man Software entwickelt) ist kein Projekt (Ein Methode zu entwickeln schon)
    • "wiederholbar" heißt nicht dass die Anweisungen zwingend wiederholt angewendet werden. Aber wenn dann heißt das Produktion.
      Ein Straßenbauprojekt wie die A8 zwischen Leonberg und Karlruhe, kann schwerlich wiederholt werden, weil die Ausgangssituation identisch kaum woanders zu finden ist, obwohl es die Anweisungen prinzipiell erlauben.
    1. Könnte man statt "wiederholbar" nicht vielleicht auch sagen:

      • (rational) nachvollziehbar
      • systematisch
      • professionell
      • ...
      1. kurze Antwort: Nein

        "(rational) nachvollziehbar" ist sicher wünschenswert, aber nicht zwingend. Es genügt zu wissen, dass eine Anweisung funktioniert (z.B. durch Probieren), es ist nicht notwendig zu wissen warum.

        "systematisch", "professionell" geht schon rein sprachlich nicht. Was sollen "konkrete, systematische Anweisungen" oder "konkrete, professionelle Anweisungen" sein?

        "systematisch", "professionell" deutet ohnehin auf ein WIE hin (und trifft wohl eher die Suche als die Anweisungen), und spezifiziert eben nicht das WAS.

        1. OK. Gebe dir Recht. Bin in eine Falle getappt: Meine Adjektive beschreiben ProjektMANAGEMENT und nciht Projekte. Die Management-Komponente ist für das Wie verantwortlich.

    2. "... muss ein Projekt immer die Suche nach konkreten, wiederholbaren Anweisungen beinhalten, ..."

      Warum "muss ... immer ... wiederholbar"? Ich verstehe diesen Satz so, dass "immer" und "wiederholbar" gemeinsam auftreten (müssen), sonst ist es kein Projekt. Das kann ich jetzt aber im Sinne der Einmaligkeit von Projekten nicht nachvollziehen. Oder verstehe ich da was falsch?

      1. "Immer" bezieht sich auf die Definition von "Projekt". Mathematiker würden vielleicht eher von "notwendiger" Bedingungen sprechen.

        Eine Suche ist ja immer "einmalig" (Alzheimer ausgeschlossen). Ein zweites Mal Anweisungen für den gleichen Zwecken suchen zu wollen wäre ja debil. Achtung, nicht debil wäre ein weiteres Projekt, das in irgend einem Aspekt besser/effizienter als die bisherigen Anweisungen sein soll (Optimierungsprojekt).

        Ich denke, "Erstmalig" wäre sprachlich genauer als "einmalig" um das wichtigste Attribute von Projekten zu bezeichnen.

        Die Wiederholbarkeit der Anweisungen bedeutet beispielsweise bei Softwareentwicklung "Anweisungen = Code (weitestgehend)", dass jederzeit kompiliert werden kann.

        Bei einer Hardwareentwicklung bedeuten Anweisungen z.B. den Bauplan, der wieder angewendet werden kann, und jedes Mal das Produkt erzeugt.

        Es ist mir klar, dass meine Definition von Projekt ein Stück weit hergeeiert wirkt, auch weil es für ALLE Projekte gelten soll. Die Grundidee ist, dass ein Projekt NUR eine Art Bauplan erzeugt. Ich will Projekte von einer Produktion abgrenzen. Ein Projekt definiert WIE ein Produkt gebaut wird, Produktion baut Produkte. In der Praxis sind die Aspekte stark in einander verwoben, dass die Begriffe schwierig werden.

        Z.B. Eine ERP-Einführung hat sowohl Projekt als auch Produktionscharakter. Projekt weil erstmalig für die Firma, Produktion weil wiederholt für den Dienstleister, ERP-Hersteller.

        Und Anweisungen statt Plan kommt daher, dass Phasen oder Methoden eines Projektes ebenfalls mit "Plan" bezeichnet werden können.

         

        1. Hallo Stefan Bachert: Die Anwendbarkeit des Begriffs Wiederholbarkeit würde dann die Projektdefinition dann aber auf eine bestimmte Gruppe Projektarten einschränken. was du für technische Entwicklungsprojekte sagst, kann ich gut nachvollziehen, aber wie sieht es z.B. aus bei Projekten in der Organisationsentwicklung oder bei Kreativprojetken, ein Buchprojekt oder ähnliches

          1. Genau das meinte ich. Wenn die Wiederholbarkeit nicht gegeben ist, ist es trotzdem bzw. gerade deswegen ein Projekt.

            Bzgl. Bauplan möchte ich widersprechen. Ein Bauprojekt oder Organisationsprojekt erzeugt ja durchaus mehr als einen Plan oder Anweisungen (gut, bei BER ist das und die Endlichkeit noch nicht abschließend bewiesen (Zwinkern)

            Bei Produktentwicklungsprojekten folgt in der Regel (=immer) die Anwendung der entwickelten Anweisungen (wenn wir mal die vorzeitige Einstellung des Produktionsanlaufs ausnehmen). Es gibt aber Vorhaben, bei denen in deren Verlauf genau ein Produkt entsteht (z.B. ein Bau o.ä.). Das ist deshalb m.E. noch keine Produktion sondern eben ein Projekt. Ein wichtiger Aspekt von Produktion ist die wiederholte Anwendung/Durchführung und die zu Beginn nicht definierte Anzahl von Durchläufen bzw. Stückzahlen. Die Einmaligkeit sollte immer das Gesamtsystem betrachten, also auch das Umfeld und die Stakeholder. In diesem Sinn hat für mich eine ERP-Einführung deutlich stärken Projektcharakter als Produktionscharakter. Ich gehe sogar so weit, dass ich behaupte, dass ein Hersteller von ERP-Systemen, der die ERP-Einführung als Produktion betrachtet, mehr Risiken und Fehlschläge provoziert als ein Hersteller, der eine Projektbrille aufhat. Die Produktion kennt kein Umfeld (aus Sicht des Produkts) und keine Stakeholder. Diese Brille hat bspw. das Produktmanagement auf.

            1. Genau das meinte ich. Wenn die Wiederholbarkeit nicht gegeben ist, ist es trotzdem bzw. gerade deswegen ein Projekt.

              Über wessen Wiederholbarkeit redest Du? Wiederholt/Erneut Anweisungen suchen (Bauplan aufstellen) oder wiederholt die Anweisungen/den Bauplan aufführen? Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Ersteres ist ein neues Projekt, letzteres ist ein weiterer Produktionszyklus

              Bzgl. Bauplan möchte ich widersprechen. Ein Bauprojekt oder Organisationsprojekt erzeugt ja durchaus mehr als einen Plan oder Anweisungen (gut, bei BER ist das und die Endlichkeit noch nicht abschließend bewiesen (Zwinkern)

               Genau das ist der Punkt auf den ich raus möchte. Die meisten Vorhaben, die als Projekte bezeichnet werden, haben mehr, nämlich einen Produktionsanteil = Ausführung der Anweisungen/des Planes.

              Umgekehrt wird man nicht eine Produktion dann Projekt nennen weil der Markt nur ein Stück abgenommen hat

          2. aber wie sieht es z.B. aus bei Projekten in der Organisationsentwicklung oder bei Kreativprojetken, ein Buchprojekt oder ähnliches

            Bei einem Buchprojekt ist das Schreiben ggf Formatieren der Projektanteil. Das Ausführen der "Anweisungen" ist das Drucken, das kann prinzipiell beliebig oft passieren.

            Bei einer Organisationsentwicklung dürfte es schwer sein, eine weitere Organisation im selben Zustand zu finden, auf die wiederholt die Anweisungen Sinn machen. Aber prinzipiell unmöglich ist es nicht.

            (Ausflug in die Mathematik: Die Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Zahl zwischen 0 und 1 in den rationalen Zahlen zu finden zufällig herauszugreifen, ist 0. Es ist aber nicht unmöglich!)

  2. Eine gute Basis für eine Projektdefinition ist die Organisation und Prozesse:

    Handelt es effektiv um eine Projektorganisation, sind die Beteiligten aus ihrer Stammorganisation herausgelöst, gibt es eigenständige Projektprozesse, werden die Entscheidungen in der vorgegeben Form getroffen, gibt es ein Projektcontrolling und Risikomanagement, werden projektrelevante Methoden und Kommunikationen genutzt etc., so kann man grundsätzlich von einem Projekt sprechen.

    In der Praxis kommt es im Rahmen von agilen Projekten vor, dass Entwicklungsprojekte und "Produktion" sich ergänzen, wenn es zur Projektstrategie gehört, dass Teillösungen so früh wie möglich in Betrieb gehen. Wir konnten in den letzten Jahren in einem hochkomplexen Projekt in derartiger Form sehr gute Projektergebnisse erzielen und hatten auch eine gute Kontrolle über das Projekt.   

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