Fragestellung

  • Wie lassen sich Ideen und relativ unbekanntes Wissen vermitteln?  

  • Wie erreichen konkrete Lösungen diejenigen, die sie wirklich gut gebrauchen können?
Von Schiffen und ihren Kapitänen - oder was Wind mit Kreativität zu tun hat

Die Geschichte zur Einstimmung

Stellen wir uns ein Segelschiff vor - bereits etwas älter, majestetisch, mit tollen Verzierungen, einem klassischen Schnitt, zwei Masten... Das Schiff ist auf den Weltmeeren unterwegs und bringt verschiedene Waren an alle Orte dieser Welt! Es gibt einen erfahrenen Kapitän, vielleicht einen aufstrebenden Kadetten und einen erfahrenen Steuermann. Zusammen mit der gesamten Mannschaft regeln sie mit vollem Einsatz die Geschäftigkeit an Bord. Schiff und Mannschaft blicken auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn wir bedenken, welchen Wellen sie schon ausgesetzt waren.Sie reisen von einem Ort zum anderen...

Jetzt stellen wir uns dasselbe Segelschiff auf dem offenen Meer vor. Weit entfernt von Land und Hafen. Das besondere an der Situation: Kein Wind! Die Segel hängen schlaff herunter und das Schiff hat sich schon seit Tagen in keiner Weise bewegt... Die Stimmung an Bord ist entsprechend: Alle sind gestresst, frustriert und vor allem vollkommen machtlos! In Abhängigkeit von Gott und Wetter müssen sie darauf vertrauen, dass ihre Vorräte lang genug reichen und es bald wieder windig wird...

Ausgangspunkt, Diskussion und Erkenntnisse

Gehen wir davon aus, ich weiß eine Lösung für das Problem aus der Geschichte. Ich habe bereits von Motorbooten gehört und weiß, dass es auch möglich ist, spezielle Motoren zu entwickeln, die an Segelschiffen angebracht werden können... Eine große Industrie gibt es in dieser Hinsicht noch nicht. Ich bin zwar bei weitem nicht allein mit meinem Wissen, aber massenhaft verbreitet ist es kaum... Und selbst wenn einige Leute schon mal etwas von Schiffsmotoren gehört haben, sind sie noch lange nicht von deren Nützlichkeit – oder sogar Notwendigkeit – überzeugt...

Viele Eigner haben genügend Aufträge, und bisher ist ja am Ende auch immer alles gut gegangen!

Trotzdem wird es immer wieder Flauten geben...

An dieser Stelle stellen sich zwei Fragen:

  1. Wie kann das Wissen um eine neue Technik so vermittelt werden, dass sie verstanden und als nützlich erkannt wird?
  2. Wie erreicht das Wissen diejenigen, für deren Problem die Lösung erdacht wurde?

Wer ist in der Schifffahrt  für meine Lösungsidee der richtige Ansprechpartner? Soll ich mich an die  Passagiere wenden? Die könnte ich für meine Idee sicher gewinnen! Aber werden sie den Kapitän überzeugen können, sein Schiff aufzurüsten, die Mannschaft weiterzubilden, Zeit für eine Veränderung einzuplanen?

Welche Möglichkeiten habe ich noch? Ist der Kapitän überhaupt der entscheidende Kontakt? Über diese Fragen entspann sich eine angeregte Diskussion:

  • Was ist eigentlich das Problem? 
  • Wer ist die Zielgruppe?
  • Wie kann ich die Zielgruppe erreichen?

Ich brauche ein Gegenüber, welches an meinem Wissen interessiert ist, daraus einen Nutzen ziehen und über den Einsatz entscheiden kann. 

Es geht also darum, ein Thema zu transportieren und das eigene Wissen vermitteln zu können.

Für das erfolgreiche Transportieren einer Idee sind die richtigen Kontakte entscheidend. 

In  unserem Beispiel ist es weniger der Kapitän, sondern wahrscheinlich eher die Reederei, der ich mein Wissen mitteilen sollte. Schließlich ist der Reeder derjenige, der die Flotte finanziert und in erster Linie ein Interesse an deren Modernisierung und Effizienzsteigerung hat. 

Leider ist anzunehmen, dass  der Reeder nicht als mein direkter Kontakt in Frage kommt, weil er durch seine Organisation abgeschottet ist. So kann ich nur versuchen, ihn indirekt zu erreichen - beispielsweise über ihm vertraute Personen. Ohne ein entsprechendes Netzwerk werde ich mein Wissen nicht in die Öffentlichkeit tragen können. Bei dem Aufbau meines Netzwerks sollte ich „mikropolitisch“ denken und mir genau überlegen, wer tatsächlich einen Nutzen aus dem Wissen zieht und gleichzeitig die Entscheidungen trifft. 

Darüber hinaus ist es sehr von Vorteil, wenn der Idee konkret „erfahrbare“ Substanz zugrunde liegt. Dies bedeutet, dass die Umsetzung der Idee erfolgreicher ist, wenn die Ansprechpartner einen Gegenstand – wie z. B. einen Motor – erfahren, anfassen und ausprobieren können. So lässt sich der Nutzen leichter manifestieren, als dies mit einer bloßen Beschreibung der Fall wäre. 

Auf der anderen Seite geht es um den Wissensaustausch: Ideen sind immer wichtig und treiben  die Adressaten voran. Es wird immer Menschen geben, die diese Ideen teilen oder ihnen etwas abgewinnen können. Auch hierin liegt ein persönlicher Nutzwert. Je ausgereifter die Ideen sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die erdachte Lösung auch wirklich ihren Zweck erfüllt.

Gesamtfazit

  • Mutig sein, auch wenn die Lebenswelten von Kommunikator und Adressaten (wie z. B. Motorentwickler und Reeder) nicht unbedingt in Übereinstimmung gebracht werden können.
  • Von seinen Ideen überzeugt sein -– dann lassen sie sich viel leichter transportieren .

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