Jeder der kommt ist der richtige?

Jeder der kommt ist der richtige?

BarCamp Veranstaltungen sind in aller Munde und schießen wie Pilze aus dem Boden. Es gibt nahezu zu jedem Thema oder jeder Interessensgemeinschaft eine derartige Veranstaltung – der Hype ist da!!!

BarCamp ist die Antwort auf verstaubte, trockene und frontal organisierte Konferenzen, deren genaue Inhalte, Abläufe meist nach monatelangem Vorlauf fest stehen. Sie Kosten die Unternehmen und die Veranstalter, manchmal auch ein Vermögen. Sehen und gesehen werden ist da oft die Devise.

BarCamp ist anders – es ist freiwillig, alles ist möglich, erlaubt und sogar erwünscht. Energiegeladene Teilnehmer wagen es, alte (geprüfte) Theorien in Frage zu stellen, neue kreative Ideen und Konzepte zu entwickeln, eigenes Wissen und Erfahrungen zu teilen in einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts und Offenheit, nach dem Motto: Wissen, das sich nicht täglich vermehrt, nimmt ab. Das gemeinsame Lernen - miteinander und voreinander - steht hier im Vordergrund.

Als alter „Camperin“ hatte ich das Glück an zum Teil hervorragenden und auch weniger gelungenen Veranstaltungen teilzunehmen – alle davon waren eine Erfahrung wert. Gibt es ein Rezept für den Erfolg des BarCamp? Was muss ich tun und mit welcher Einstellung sollte ich teilnehmen, damit BarCamp zu einem unvergesslichen Abenteuer mit „high speed learning“ Effekt wird?

Für diejenigen, die dieses Format ausprobieren möchten und sich fragen, ob es sich lohnt, oder sogar eine solche „Unkonferenz“ selbst organisieren wollen, ein paar Anregungen…

Ich will ein perfekter BarCamp Teilnehmer werden

Schon in dem Begriff „Teilnehmer“ verbirgt sich die erste Gefahr – BarCamp hat eben keine passiven Teilnehmer – nur Mitmacher. Also Menschen, die durch eigenes Engagement zum allgemeinen Erfolg des BarCamp beitragen wollen. Das bedeutet: eine Session vorbereiten, sich an einer Diskussion beteiligen, eine Dokumentation der Session führen, Pausenbrötchen schmieren – es ist völlig egal!!! Hauptsache, Sie verhalten sich nicht passiv und konsumieren das Wissen der anderen.

Wenn Sie sogar eine Session anbieten wollen – herzlichen Glückwunsch – Sie sind auf dem richtigen Weg und übernehmen die Teilverantwortung für die Gestaltung des BarCamp. Doch auch hier sollten Sie einiges beachten. Auch wenn Ihnen das Thema am Herzen liegt, lassen Sie Kritik und Diskussion zu. Gehen Sie auf Fragen und Anregungen der anderen ein, teilen Sie Erfahrungen und hören Sie zu – so profitieren alle davon. Ein fest geplanter Ablauf ist bei BarCamps nicht vorgesehen – setzen Sie Impulse und warten Sie ab was geschieht. Das Ziel eines Barcamps ist es im besten Falle, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Dokumentieren Sie Ihre Session – auch für die, die gerade nicht dabei waren. Denn der Leitgedanke ist es, Wissen zu teilen und gemeinsam neue Aspekte zu entdecken.

Wir leben in einer Social Media Welt – die Informationen gehen mit Lichtgeschwindigkeit um die Welt – wir teilen das eigene Wissen mehr oder weniger bewusst mit der halben Welt. Wenn Sie nicht bereit sind, dass die Inhalte der Session in die Welt getragen werden, oder die Veröffentlichung Probleme bereiten könnte, verzichten Sie lieber ganz auf die Session.

Seien Sie neugierig, offen und bereit, Neues zu entwickeln. Wagen Sie, neue Wege zu gehen.

Ich will ein perfekter BarCamp Organisator werden

Haben Sie ein konkretes Leitthema gefunden – das nach dringendem Handlungsbedarf schreit? Ein Thema, das Raum für vielseitigen Austausch und innovative Lösungen zulässt?

BarCamp Organisatoren denken anders als klassische Kongress-Gestalter. Ein BarCamp Organisator muss Vertrauen in die Teilnehmer (eigentlich: Mitmacher) des BarCamps haben. Es wird für Sie eine nicht zu unterschätzende Herausforderung sein– kein fester Ablauf, kein Einfluss auf die Inhalte der Sessions, keine genauer definierte Zielgruppe – doch eben dieser Ungewissheit (Adrenalinkick) ist die Motivation und gibt Ihnen die nötige Energie während der Vorbereitungsphase.

Tatsächlich liegt die meiste Arbeit für den BarCamp Organisator in der Vorbereitung. Organisation der Räumlichkeiten, Bereitstellung von Arbeitsmaterial, etc.

Ganz anders die Inhalte: BarCamp Inhalte sollen nicht im Vorhinein geplant sein, sondern werden spontan von den Teilnehmern vor Ort gemeinsam gestaltet. Hier brauchen Sie als Organisator das Vertrauen, dass jeder, der kommt, der richtige ist. Die Teilnehmer bringen Themen für die einzelnen Sessions mit. Vertrauen Sie auf die Menschen, die sich dafür Zeit nehmen und lassen sie Raum für Kreativität. Inhaltliche Vorgaben des Organisators ersticken die Kreativität und Spontaneität, die gute BarCamps auszeichnen.

Selbst wenn Ihre Veranstaltung eher klein ist, sorgen Sie dafür, dass mindestens 2 parallele Sessions angeboten werden. Lassen Sie die Teilnehmer selbst bestimmen, ob sie lieber Hummel oder Schmetterling werden möchten und zwingen Sie sie nicht, an einer bestimmten Session teil zu nehmen. Hier gilt der Gesetz der zwei Füßen –jeder darf so lange bleiben wie er möchte – der Wechsel zwischen den Sessions ist möglich und erwünscht

Sie übernehmen die wichtige Rolle des Moderators – doch übertreiben Sie Ihren Einflüssen nicht. Es soll keine Selbstmarketing-Veranstaltung sein, sondern ein gemeinsamer Austausch. Bremsen Sie Ihre Teilnehmer nicht, sondern unterstützen Sie sie in der Organisation ihrer Session und überlassen Sie die Moderation der Session dem Initiator des Themas.

BarCamp Veranstaltungen sind eine hervorragende Möglichkeit das eigene Netzwerk zu erweitern und neue Ideen und Impulse in die tägliche Arbeit zu übertragen.

Die wichtigste Voraussetzung für dieses Format ist die Bereitschaft, eigenes Wissen zu teilen. Wenn Sie Ihr Wissen als persönliches Eigentum betrachten – ist die BarCamp definitiv nichts für Sie – trotz der Aussage „jeder, der kommt, ist der Richtige“ – in dem Fall wählen Sie lieber eine klassische Konferenz.

 

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