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Was heißt Projekterfolg?

(ursprünglich initiiert als Kommentar von Heinrich Unger)

Projekterfolg?

Ich höre immer wieder, das Projektmanagement nicht funktioniert. Andererseits gibt es eine Projektitis. Da mir der Glaube fehlt, das Firmen in Methoden investieren die zu 2/3 (Standishgroup) nicht funktionieren, möchte ich (auch im Rahmen einer Diss) den Schritt zurückmachen Definieren wir, mal was den ein Projekterfolg ist.

Die ersten Diskussionen innerhalb meiner Bekannten in Wien haben folgende Draft Formel ergeben?

E = ((ZB + B + S)*BA) + SW + W

 

E…Erfolg 

W…..Wissenszuwachs (Projektmanagemenwissenszuwachs, Projektproduktzuwachsen) 

ZB ….Zeitbudget

B…..Budget

S…..Scope/Aufgabenstellung

SW….Stakeholdererwartung

BA…Benutzerakzeptanz (für IT Projekte)

Feedback wäre erwünscht um die Diss voranzutreiben.

 

Diskussion

Tobias Hahn: Steigt mit der Stakeholdererwartung tatsächlich auch der Projekterfolg an? Ich denke, dass es doch eher umgekehrt ist, oder?

Heinrich UngerDanke - ist also nicht genug erklärt. Damit ist gemeint, die Erfolgsbewertung des Projekts durch die Stakeholder.

Ansonsten - hast Du(Frage) natürlich recht. Das Problem der Stakeholder ist ja, das sie Ihre Erwartungen an das Projekt nicht äußern wollen (politische Zielsetzungen  oder etwa radikale Umbrüche durch das Projektergebnis in der Mannschaft),   oder können. Im Nachhinein können sie aber auch ohne Ziele genannt zu haben, das Projekt bewerten.

Man müsste dazu wahrscheinlich auch eine negative Projektbewertung durch die Stakeholder zulassen?

Ist ja noch ein wenig Draft die Formel

Tobias HahnIst das so gemeint, dass sich der Gesamterfolg E aus den Teilerfolgen in Bezug auf Wissenszuwachs, Zeitbudget, ... gemäß der o.g. Formel zusammensetzt?

Dann sollen die einzelnen Teilerfolge wohl mit Skalenwerten angegeben werden, nehme ich an.

Heinrich Unger: Stimmt genau - man muss sich dazu noch Skalenwerte denken.

Hm, danke für die Anregungen und Fragen. Bitte noch mehr.

Im Endeffekt, setze ich mit W .. Wissensgewinn eigentlich den Fokus, das KEIN Projekt komplett erfolglos ist - selbst ein im Planungsstadium abgebrochenes Projekt, brächte die Erfahrung, dass es SO in der jetzigen Situation nicht geht. 

Wichtig auch das beim Produktergebnis,  (ZB + B + S)*BA es keinen Erfolg gibt, falls das Projektprodukt keinen Benutzer findet. Nur ist das Produktergebnis noch nicht alles.

Bernhard Schloß: Da hast du dir ein großes Thema ausgesucht! Also wenn du von Erwartung sprichst, meinst du erfüllte Erwartung. Dummerweise sind fast alle deiner Vairablen keine Konstanten, sondern ändern sich im Zeitverlauf: Stakeholder revidieren ihre Einschätzung, ebenso wie die Benutzer, selbst der Scope ist so gut wie nie konstant, sonst hätten wir kein Änderungsmanagement und keine Change Requests. Vom Budget wollen wir gar nicht erst anfangen und der Wissenszuwachs ist wahrscheinlich zu immens überhöhten Preisen erkauft...

Wie gehst du in deinem Modell mit widersprüchlichen Erwartungen um?

Ist die additive Verknüpfung wirklich sinnvoll?

Gilt es Stakeholdererwartungen ex-ante (also zu Projektbeginn) oder ex-post (die korrigierte Sicht im Nachhinein) zu erfüllen?

Müssen die Stakeholder nicht noch weiter differenziert werden? Der Aufrtaggeber/Sponsor ist nur ein Stakeholder von vielen.

So trivial wie der Frage nach dem Projekterfolg im ersten Augenblick erscheinen mag, bei näherer Betrachtung hast du hier ein Fass aufgemacht...

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8 Kommentare

  1. Eine interessante Arbeit zum Thema Projekterfolg wurde 2001 von Shenar et al. vorgelegt, in der Projekte anhand ihrer technologischen Unsicherheit unterschieden werden: ("low-tech projects, medium-tech projects, high-tech projects und super high-tech projects") und Projekterfolg anhand von vier Erfolgsdimensionen gemessen wird:

    ErfolgsdimensionMesspunkte

    1. Projekteffizienz

    • Zeitliches Ziel erreicht
    • Budget Ziel erreicht

    2. Einfluss auf den Kunden

    (impact on the customer)

    • Funktionale Ziele erreicht
    • Technische Spezifikationen erfüllt
    • Kundenwünsche erfüllt
    • Kundenproblem gelöst
    • Der Kunde nutzt das Produkt
    • Der Kunde ist zufrieden

    3. Geschäftserfolg

    (business success)

    • Kommerzieller Erfolg erzielt
    • Großer Marktanteil erreicht

    4. Strategisch

    (preparing for the future)

    • Neue Märkte wurden geschaffen
    • Neue Produktlinie geschaffen
    • Neue Technologie geschaffen

    Die wichtigste Schlussfolgerungen der Arbeit bestehen darin, dass die relative Wichtigkeit der Erfolgsdimension sowohl direkt von der Zeit, als auch von der technologischen Unsicherheit abhängt. Das bedeutet dass die Wichtigkeit von "Projekteffizienz" nimmt mit der Zeit ab, während die strategische Bedeutung auf lange Sicht an Wertigkeit zunimmt. Die folgenden zwei Abbildungen verdeutlichen den Sachverhalt:

    Abb.: Zeitabhängigkeit der Projekt-Erfolgsdimensionen

    Abb.: Relative Wichtigkeit von Projekt-Erfolgsdimensionen in Abhängigkeit des Projekttyps

     

    Quelle: Shenhar, Aaron J.; Dvir, Dov; Levy, Ofer; Maltz, Alan C. (2001): Project Success: A Multidimensional Strategic Concept. In Long Range Planning 34 (6), pp. 699–725.

  2. Lars Großmann, Bernhard Schloß vielen vielen Dank für den Input Ist einige Zeit vergangen, ich greife dass Thema gerade wieder auf Und kommen immer mehr zum Schluss, das FASS Projekterfolg reicht für eine Diss allemal

    1. Na dann: Viel Erfolg für die Diss!

      (Zwinkern)

      Ich bin übrigens mittlerweile so weit, dass ich auf die Erfolgsbetrachtung auf Ebene des einzelnen Projekts weitgehend verzichten würde. Erfolg spiegelt sich vielmehr in der Lernperspektive über alle Projekte eines Unternehmens/einer Organisation. Es macht wenig Sinn einen Mitarbeiter am Erfolg eines Projektes zu messen, wo wir doch wissen, dass der Projekterfolg häufig unabhängig von seiner Leistung und außerhalb seines Einfluss- und Gestaltungsbereichs ist.

      1. Das ist/wird auch Teil meiner Diss sein Die verschiedenen Ebenen des Erfolgs

         

        Aber auch wir armen PMler brauchen Erfolgserlebnisse *fg

  3. Muss mich als Unwissender outen - was besagt FASS Projekterfolg? Und in wie weit reicht es für eine Diss (also wie wird das Instrument in der wissenschaftlichen Arbeit benutzt?)

    1. Und schon haben wir eine neue Theorie: Die FASS-Theorie für den Projekterfolg und müssen nur noch dass Akronym sinnvoll befüllen...

      Nein, FASS bezog sich lediglich aufeine flapsige Bemerkung in einem Kommentar oben, da hatte ich gemeint, dass wir mit einer einfachen Frage ein "Fass aufgemacht" haben, wenn wir in das Thema tiefer einsteigen. (Zwinkern)

      1. Nun es ist eher viel mehr ein Faden, damit haben wir ja schon F (*fg), Und wenn man an dem zieht, lösst sich der Urknall

        Tatsächlich gilt in vielen Firmen das "Fangt schon mal an mit dem Projekt, den Rest definieren wir später"  In praktisch allen Projektdefinitionen kommen ZIele vor, und wenn wir die nicht definieren, dann gibt es auch keinen Erfolgsmessung und damit IMHO auch keinen Erfolg

        Wir müssen uns überlegen, was wir als Erfolg bezeichnen, um darauf hin zu arbeiten Dass kann dann auch in manchen Firmen sehr pragmatisch sein etwa: "Erfolg ist wenn der Albeck als GF sagt, es ist ein Erfolg" Dann aber verabschiedet man sich vom zielgerichteten, sachlichen Arbeiten hin zum Ja Sagertum um seinen Arbeitsplatz zu erhalten, oder seine Karriere zu fördern?

        Die Anregung von Bernhard, dass sich ja alles ändert im Verlaufe eines Projekts, nehme ich so hin, aber dann muss sich logischerweise auch die Erfolgsdefinition besser die Erfolgskriterien des Projekts verändert werden Vielleicht muss man im Changemanagement ein Changemanagement der Ziele bzw Erfolgskriterien durchführen

        Es kommen da immer mehr Idee bei mir zu Tage, wie vielschichtig das Thema ist, aber auch wie Grundlegend es ist

  4. Auf die Diss bin ich sehr gespannt! Wie weit bist du damit?

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