Ich interessiert mich für die Zertifizierung CPRE (Requirements Engineering) der IREB (http://www.certified-re.de) External Link und wollte fragen, wie Eure Meinung ist zur Qualität, Anerkennung usw. des Zertifikats. Freu mich über Feedback. (smile) Danke und lg - Sacha

 

 

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10 Comments

  1. Ich muss zugeben, dass ich was Zertifizierungen angeht nicht objektiv bin, weil mich das mittlerweile extrem ausgeprägte Zertifizierungsbusiness nur ankotzt (bitte entschuldigt die Ausdrucksweise). Mit CPRE habe ich mich zuvor noch nicht beschäftigt, aber die Namen dahinter sind aller Ehren wert (Chris Rupp, Peter Hruschka & Co).

  2. Danke, Bernhard. Mir ist klar, dass das Thema Zertifizierung an sich kontrovers ist, wir hatten ja auch eine Session auf dem PMcamp dazu. Dennoch gibt es anerkanntere und weniger anerkannte, und diesbzgl. wollte ich mich schlau machen. Für mich persönlich stellt es sich so dar: Wenn die "Marketingmaßnahme" Zertifikat sich gegen die +-300 Euro Gebühr für mich rechnet, und ich den Stoff ohnehin beherrschen will/muss, dann hol ich mir den Zettel vielleicht, wenn möglich. Falls das Zertifikat kein totaler Schmäh ist. Deshalb die Recherche/Frage. Dass die Zert.industrie stellenweise reine Geldmacherei ist und Machtausübung/herstellung, klar, aber wer hat den Stand, sich dagegen zu stellen?

     

     

    1. Habe in diesem Sinne gerade einen kleinen Test gemacht und in der Projektbörse von Gulp gesucht:

      Suchbegriff: Requirement ==> 89 Treffer
      Suchbegriff: CPRE ==> 0 Treffer

    2. Also die Internet Seite hat mich nicht vom Hocker gehauen. Die notwendigen Informationen für Interessierte sind aus meiner Sicht nicht gut auf den Punkt gebracht. Auch dieses Online Testtool wirkt auf mich etwas "unrund". Ich bin selber auch etwas unsicher bezgl. Zertifizierung. Der Kommentar von Robert Weißgraeber auf der Zertifikate Seite trifft es ganz gut.

      Hier ist es etwas übersichtlicher dargestellt und mehr auf den Punkt gebracht (rein subjektiv): http://www.tuev-sued.de/akademie-de/examination-institute/portfolio/ireb?ns_campaign=ireb&ns_mchannel=ppc&ns_source=google&ns_linkname={Keyword:}&ns_fee=1.00&subID=9280828672860568547

  3. Ähnlich wie es im Projektmanagement mehrere Zertifikate gibt, so auch im Requirements Engineering und im verwandten Bereich Business-Analyse.

    Allein beim CPRE (Certified Professional for Requirements Engineering) gibt es drei Level:

    • Foundation Level
    • Darauf aufsetzend Advanced Level; bislang in zwei Modulen: Elicitation and Consolidation sowie Requirements Modeling 
      (als weitere Module sind Business Analysis sowie Requirements Management geplant).
    • Expert Level (in Vorbereitung)

    Daneben besteht die Möglichkeit auch in Business-Analyse sich international zertifizieren zu lassen:

    • CCBA® (Certification of Competency in Business Analysis) für Personen, die bereits grundlegende Fähigkeiten der Business-Analyse erworben haben.
    • CBAP® (Certified Business Analysis Professional) als Professional-Level für erfahrene/langjährige Business Analysten.


    Ausführlicher auf die Voraussetzungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede, Anzahl der Zertifizierten geht dieser Blogartikel ein.

  4. Buchtipp:

    "Requirements-Engineering und -Management: Professionelle, iterative Anforderungsanalyse für die Praxis"

    Chris Rupp, die Sophisten, HANSER-Verlag 2009

    1. Reiner Schindler: Könntest Du das Buch bitte auch auf der Seite Literatur einfügen? Falls Du eine längere Rezension schreiben möchtest, dann hätten wir auch dafür eine Seite.

  5. Prinzipiell nervt mich die Entwertung der Zertifikate durch die Anbieter. 

    Angefangen hat es bei ITIL, dann haben alle anderen dieses mehrstufige Verfahren abgekupfert. Teilweise haben sie gar nicht genügend Stoff für die Mehrfachstufen (ISTQB z.B.), teilweise kein ausgeprägtes Konzept (iSAQB).

    Am meisten nervt mich das amerikanische Multiple-Choice-Prinzip.

    • Am Anfang eines Zertifikates sind da Idealisten, die erarbeiten ein Curriculum und eine Schulung und wollen eine Prüfung haben, mit der sie den Erfolg der Teilnehmer messen (dass diese etwas mitgenommen haben).
    • Da wird dann als einfachste Form (einfach zu handhaben) die Multiple-Choice-Methode angewendet (geringster Aufwand richtig von falsch zu unterscheiden). 
    • Dann setzt sich das durch, dann braucht man mehr Zertifizierungsstellen (4-Augen-Prinzip: Trennung von Schulungs- und Zertifizierungsstelle => Bedarf an Zertifizieren). 
    • Dann kommen die üblichen Verdächtigen ins Spiel (TÜV, Dekra, Prometric, ...) und dann ... ja dann kommen die Schulungsanbieter die nur noch auf die Fragen vorbereiten, die Xing-Gruppen, die Musterfragen tauschen etc. etc. 

    Zurück zum CPRE:

    1. Wir haben uns Schulungsanbieter gesucht, bei denen unsere Teilnehmer zwar vorbereitet werden, die aber auf dem Gebiet des RE auch beratend unterwegs sind und damit auch Praxis vermitteln können. 
    2. Dort lernen dann unsere Mitarbeiter im Kurs einiges und müssen dies für die Prüfung notgedrungen nachbereiten. 
    3. Ergebnis ist ein Grundwissen über Anforderungserhebung und -dokumentation. Das Ganze wirkt ganz gut und wir sind zufrieden. 
    4. Nicht zufrieden sind wir mit dem Advanced Level! Warum:
      1. Der ist so neu, dass Ausbildung und Prüfung nicht harmonisiert sind.
      2. Bei allen Qualifikationsanbietern, die für uns in die engere Wahl kommen fallen mangels Teilnehmern  dauernd die Kurse aus.
    5. Zufrieden waren wir aber mit dem Kurs für den Advanced Level an sich
    6. Der CPRE unterscheidet sich noch wohltuend von den anderen, da auch bei den Advanced Level Themen echte komplementäre Inhalte dahinter stehen und nicht das gleiche Wissen zu 60-80% nochmal behandelt wird.

    Generell:

    • ASQF - iSQI ist mittlerweile in unserer Wahrnehmung ein reines Geschäftsmodell
    • eigentlich erwarten wir, dass man eine Vision für eine Ausbildung hat und damit in groben Zügen genau weiss was man in den unterschiedlichen Leveln als Anforderungen und Wissen erwartet und dann nur noch ausdetailliert
    • wir erwarten nicht, dass man erst einen Foundation Level kreiert, dann überlegt was man im Advanced Level machen könnte, den dann Stück für Stück ausgestaltet und dann erst am Schluss mal eben daraus dann die Anforderungen für einen Expert-Level definiert ...
    • Der Sinn von Büchern, die ausser Prüfungsvorbereitung absolut nichts vermitteln und bei neutralem Lesen ohne Prüfungsziel als sehr dünne Bretter zu bezeichnen sind, erschlieest sich uns nicht. Er dient nur dem Zweck persönlicher Einkommenserzielung und nicht dem Zweck der Vermittlung von Wissen ...
    • Da merkt man dann auch die Idealisten: Die Erstwerke (Bücher) sind in der Regel informativ und gut => d.h. dann aber, dass mit dem Foundation Level alles Theorie-Wissen vermittelt wurde und nichts mehr drauf zu setzen ist.
  6. Ich hatte im Mai 2017 zusammen mit 11 sehr erfahrenen IT-Kollegen eine 3-tägige Inhouse Schulung zur Vorbereitung auf die Certified Professional for Requirements Engineering Foundation Prüfung.

    Von den 12 sehr erfahrenen IT-Kollegen haben schlussendlich 2 Kollegen die Prüfung bestanden.

    Wir können zukünftigen Kandidaten, die beabsichtig die CPRE Prüfung zu machen, nur darauf hinweisen, dass bei der IREB, die Fragestellung „fehlerhaft& sehr unklar“ ist, sprich sehr, sehr schwammig und unfair formuliert.

    Den Anspruch, den sie an zukünftige RE’s stellen und auch in ihrem Lehrbuch des Basiswissen vermitteln, entspricht nicht dem, wie sie selbst mit der Prüfung und den Dingen umgehen bzw. selbst leben.

    Ich für mich selbst kann sagen, dass ich das Buch vor dem Kurs durchgearbeitet habe, und dann erst die Inhouse Schulung besucht habe, weil ich wusste das es sonst hefig werden könnte. Leider hat es mir nicht geholfen die Prüfung zu bestehen, weil mir die ganze Vorbereitung und das Seminar nicht wirklich für die Prüfung geholfen hat.

    Wer der Meinung ist, wenn er gut durch die 45 IREB Beispielsprüfungsfragen kommt und damit die Prüfung besteht, ist leider falscher Meinung.

    Die Prüfungsfragen die von der IREB auf der Internet Seite zur Verfügung stellt werden, haben nichts damit zu tun, wie die Fragestellung in der tatsächlichen Prüfung stattfindet.

    Der Großteil der Fragen ist so aufgebaut, sodass man eine halbe Desktop Seite lesen darf, dann kommen 1. – 6. schwammige Fragestellungen und dazu 4. – 6. schwammige Antwortmöglichkeiten. Es ist mir auch nicht so vorgekommen, dass sehr viele bekannte Fragestellungen darin zu finden war, die wir in der Vorbereitung hatten bzw. im Buch sind.

    Ich bin davon überzeugt, dass ich das Thema verstanden habe. Ich habe mich mit dem Thema intensiv auseinander gesetzt, vorbereitet etc. und arbeite auch schon seit längerer Zeit in dem Bereich.

    Mit was ich aber anscheinend nicht umgehen kann, ist so einer kranken Fragestellung wie es die IREB praktiziert, da kann man sich nur wundern, wie Menschen so eine Phantasie haben können. Ich finde, es wird nicht wertschätzend mit den Menschen in der Prüfung umgegangen.

    Ich habe mich davon verabschiedet, diese Prüfung zu wiederholen, weil es nicht besser sondern eher schlimmer wird. Das zeigt mir auch die Erfahrung aus der IT Beratung, wo ich als Berater angestellt bin und mich mit vielen Kollegen bzgl. der Prüfung ausgetauscht habe.

    Wenn ich alleine unser Unternehmen ansehe, wo ca. 150 Berater im Jahr zu dieser Prüfung vorbereitet werden und viele Kollegen, schon sehr viele Jahre in der IT tätigen sind und an innovativen Themen beim Kunden entwickeln/arbeiten und davon ca. 15 Kollegen die Prüfung bestehen, muss ich mich wundern, welcher unrealistischer Standard für eine Grundschulung gesetzt wird.

    Das Lehrbuch durchgearbeitet zu haben ist auf jeden Fall hilfreich, wenn man in IT Jobs beim Kunden unterwegs ist. Ob man so ein krankes System wie die IREB und Pearson VUE mit ihren Prüfungen und Zertifikaten unterstützen muss, kann nur jeder für sich selbst entscheiden. Mir ist bewusst, dass diese Firmen damit ihr Geld verdienen und die Hürde sehr hoch gehalten wird, aber auf welche Art & Weise das praktiziert wird und wie mit Menschen umgegangen wird, ist echt grenzwertig!

    Es gibt viele andere Zertifikate, die hilfreicher sind als dieses CPRE Zertifikat und auf diese werde ich mich in der Zukunft konzentrieren. Aus meiner mehrjährigen Berufserfahrung beim Kunden kann ich sagen, dass nie jemanden als Junior Requirements Engineer ins Haus holen wird. Um Akzeptanz beim Kunden zu finden braucht man Erfahrung, was dann eher in Advanced Level geht. Die agilen Projektmethoden bzw. SCRUM hat diese Anforderungswelt auch noch mal auf den Kopf gestellt, wo mit Anforderungen ganz anders umgegangen wird.

    FAZIT: das CPRE Basis Zertifikat ist es in meinen Augen nicht wert, dass man sich als Menschen an dieser Stelle von so arroganten und unfairen Unternehmen abwerten lässt, weil diese auf die viele Prüfungswiederholungen angewiesen sind, weil sie ihr Geld damit verdienen!

     

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