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Project Manager?

Neulich kam ein junger Mann auf mich zu: Anzug, weißes Hemd, Krawatte. „Ich bin hier der Project Manager!“ stellte er sich vor. „Moment: ICH bin ein Project Manager!“ dachte ich. Nach knapp 22 Jahren in dem Geschäft, nahm ich mir es mir schon heraus mich so zu nennen. Aber mit etwas über Mitte zwanzig? Irgendwie knappste das an meiner Ehre als Project Manager. Ich habe überhaupt erst mal 5 Jahre gebraucht um zu verstehen, weitere 5 Jahre um zu lernen und nun, nach über weiteren 10 Jahren Erfahrungen sammeln, fühlte ich mich in der Situation es auch anzuwenden. Und da kommt jemand, der gerade 2 – 3 Jahre von der FH oder Uni kommt und nennt sich „Project Manager“?

Ich rechnete nach: Wenn er meinen Lebensweg gegangen ist, hat er sein erstes Project irgendwann im Kindergartenalter übernommen, mit Beginn der Grundschule fing er an Methodiken zu erlernen, die er dann in der Mittelstufe verfeinerte und anpasste, um mit seinem Abi die ersten Projekte mit einem Erfahrungsschatz, die einen Rookie von einem Project Manager unterscheiden, zu leiten. Vielleicht ist es ja so gelaufen. Oder vielleicht hatte er auch eine Druckbetankung a la „Matrix“ bekommen?

Aber wahrscheinlicher ist, dass er zu dem – für ihn belanglosen – Titel gekommen ist, wie die meisten sogenannten Project Manager hierzulande.

Einer meiner Mentoren beschrieb es mal so: „Wie wird man in Deutschland Project Manager? Man geht zur falschen Zeit über den Flur, begegnet seinem Chef, der einen den Arm um die Schulter legt und sagt: ' Herr... wie war Ihr Name?... ich habe da ein Projekt für Sie!“

Nun gestehe ich: Mein erstes Projekt habe ich genau so bekommen. Aber ich habe mich nicht Project Manager genannt. Und ich bin, wer hätte es anders erwartet, damit voll vor die Wand gerannt. Und aus der Sicht von heute war und ist es das Beste, was mir geschehen konnte. Es hat mich den Respekt gelehrt vor dieser Aufgabe, davor, dass es nicht nur ein Titel ist, sondern eben genau das: Eine Aufgabe.

Also, mit blutiger Nase, eingedrücktem Ego ging ich damals Heim und fragte mich, was es wohl sei, was ein "Project Manager" ist. Ich las, ging zu Schulungen und Vorträgen und erkannte: Es ist ein Beruf, den man erlernen muss. Das Wissen fällt nicht vom Himmel. Und ich lernte! Ich kann schnell lernen und die Zusammenhänge begreifen. Und dennoch lief mein nächstes Projekt wieder aus dem Ruder. Aber: Anhand des Erlernten konnte ich nun sehen, warum dies so passiert war.

Sozusagen war es meine erste Lesson Learned Analyse.

Und da war mir klar, was alles zusammen kommen musste, das mit ein "Project Manager" geboren wird:

  1. Eine Persönlichkeit mit Entscheidungswillen und Führungsfähigkeiten

  2. Wissen um die Techniken des Project Managements

  3. Erfahrungen im Einsatz.

Fortan, und das für viele Jahre, betrachtete ich mich mehr als Project Manager. Ich nannte mich, meinem Erfahrungsschatz entsprechend Project Coordinator und später Projektleiter. Mit zunehmender Erfahrung übernahm ich größere Aufgaben und stellte dann irgendwann fest, dass ich die Projekte nun wirklich managen konnte. Seitdem steht der Titel wieder auf meiner Karte. Heute steht dort Senior Project Manager... dies ist aber wohl mehr meinen Alter geschuldet :-)

Ich frage mich wirklich, ob man mit 30 Jahren Project Manager sein kann? Und was ist ein Junior Project Manager? Ein PM ohne Erfahrung?

Heute fand ich im Internet folgende Stellenausschreibung:

Absolventen und Young Professionals als Consultant Projektmanagement (w/m)

Ihre Aufgaben

  • Kundenprojekte zu operativem, strategischem Projektmanagement bis zu Projektportfolio- Management vorantreiben und u.a. in strategischen Großvorhaben beraten

  • Für den nachhaltigen Projekterfolg Anforderungsworkshops, Projektsteuerung bis zu Stakeholder Management durchführen

  • Branchenübergreifende PM-Expertise aufbauen durch die Umsetzung unterschiedlichster Projekte

  • Eng mit in-/externen Teams bei Kunden und Partnern zusammenarbeiten

  • Zügig Verantwortung übernehmen für eigene Arbeitspakete

Ihr Handwerkszeug

  • Guter Diplom-/Master-Abschluss in BWL, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik o.ä.

  • Methodenkenntnis & erste Praxiserfahrung im Projektmanagement, z.B. aus der Beratung, IT- oder Konzernumfeld

  • Englisch- und Deutsch fließend, Kommunikationsstärke auf allen Ebenen

  • Analytisches Denkvermögen, Teamfähigkeit und Eigeninitiative

  • Flexibilität und Reisebereitschaft

Ihre Perspektive

  • (Teil)Projektleitung in anspruchsvollen Projekten vielfältiger Branchen

  • Steile Lernkurve, kontinuierliche Weiterbildung und anerkannte Zertifizierungen, z.B. PMP

  • Langfristige Führungs- und Expertenkarriere im wachsenden Beratungsunternehmen

  • Offene Türen, kurze Wege für Ihre Ideen

  • Unternehmenskultur geprägt von Spaß, Leidenschaft und Kollegialität

Ich stellte mir vor, wie ein Absolvent auf mich zukommt und mir versucht zu erklären wie PM funktioniert, wie man ein PMO aufsetzt und wie man strategisches Project Management betreibt!

Und ich stellte mir meine Reaktion vor.

Ich stellte mir die Reaktion eines Oberst in der Armee vor der 20 Jahre Erfahrung in operativer Truppenführung hat, im Kosovo und Afghanistan gedient hat und zu dem ein Fähnrich kommt und ihm erklärt, wie man seine Truppen im Einsatz zu führen hat.

Meine Reaktion wäre wohl ähnlich!

In der Armee oder auch in der Schifffahrt fängt man doch auch nicht in den Oberen Rängen und Positionen an, sondern erlernt sein Handwerk „von der Pike auf“ (was im Übrigen auch aus der Armee stammt, nämlich das man zuvor als Soldat, als Pikenier (Die mit den langen Lanzen) gedient hat).

Das PMI hat es mal schön in eine Karriereleiter gebracht.

  1. Project Expeditor

  2. Project Coordinator

  3. Project Leader

  4. Project Manager

  5. Program Manager

Hier wird schon am Namen die Verantwortlichkeit deutlich. Erst beobachten, dann koordinieren, leiten und letztlich managen. Das schafft die Erfahrungen - mit der entsprechend anfangs reduzierten Verantwortung - um ein wirklicher Manager zu sein.

Es gibt den Menschen, die neu in das Geschäft des Project Management kommen eine faire Chance - im geschützten Raum - die Fähigkeiten zu erlernen und auch mit der Verantwortung umgehen zu können. Es schafft auch eben die Aufstiegschancen, die ein junger Mensch braucht, wenn er sich für den Beruf PM entscheidet. Und es ist ein Beruf! Als Job endet die Karriere beim Project Coordinator.

Es wird Zeit für ein geschütztes Berufsbild „Project Manager“!

 

 

 

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