(Über-)Leben am Limit

Aufbau für openPM

Zu Beginn wird Idee und Art der Umsetzung der Session vorgestellt. Anschliessend folgen verschiedene Einflussfaktoren, welche - wie in der Session - direkt an den Lesenden gerichtet sind. Man soll sich direkt angesprochen fühlen und sich in die Situation hineinversetzen. Die Antworten der Teilnehmenden werden nicht eingebunden.

Aufgrund fehlender Dokumentation können Abweichungen gegenüber der durchgeführten Session auftreten. Bei Änderungsbedarf oder Ergänzungen, bitte bei mir melden. Besten Dank!

 


Wichtiger Hinweis:

Das Lesen und besonders das Nachdenken über das Gelesene kann zu Beklemmung, Herzklopfen oder gar Panikattacken führen.

Also mit Vorsicht zu geniessen. Dies ist kein Scherz!

  


Idee der Session

Die Teilnehmenden sollen erkennen, dass die bisherigen Sorgen und Ängste betreffend Projekten, Kunden oder der eigenen Arbeit - welche gerne als "Hölle" betrachtet werden - aufgrund verschiedener Einflussfaktoren rasch zum "Himmel" transformiert. Jede Person bildet seine eigene Welt, in welcher er die Einflüsse auf seine eigene Person projiziert. Dies führt im besten Fall zu einer geistigen wie körperlichen Reaktion.

Umsetzung

Um diesen Effekt zu erzeugen, wird schichtweise (wie die Schichten einer Zwiebel von aussen nach innen) ein neuer Einfluss hinzugefügt. Danach werden Fragen gestellt, wie man auf die Situation bzw. den neuen Einfluss reagieren würde.

Einstieg

Zu Beginn wurde eine Pinnwand, welche in der Mitte mit einem Papierstreifen getrennt war, durch die Teilnehmenden mit besonders schönen Erlebnissen (Himmel) und besonders negativen Erlebnissen (Hölle) befüllt. Wie immer sind Stattys zur Anwendung gekommen. Jeder konnte seine persönlichen Inputs selbst aufkleben und kurz kommentieren. Es wurden private wie berufliche Punkte aufgeklebt. Die Session-Teilnehmer haben sich auf diese Art in andere Menschen und deren Himmel und Hölle hineinversetzt und die eigenen Gedanken fliessen lassen. Dies als Vorübung. Nun kamen die Einflüsse hinzu.

Einfluss 1: Verhaftung

Du wirst auf der offenen Strasse verhaftet. Die Anschuldigungen sind nicht wahr, dennoch kannst Du nichts dagegen tun. Die berüchtigte Maschine des Gesetzes hat für Dich begonnen. Egal, was Du auch tust und sagst, es hört keiner zu.

Fragen:

  • Was denkst Du?
  • Was sind Deine ersten Reaktionen?
  • Denkst Du an die Arbeit oder an etwas anderes?
  • Bekommst Du Angst?

Einfluss 2: Gefängnis

Leider ist der Tag bald zu Ende. Die Zeit, die Situation sowie die Anschuldigungen haben zur Folge, dass Du ins Gefängnis gebracht wirst. Einen Ort, den Du nicht kennst und nie kennenlernen willst. Handschellen, Untersuchungen, Gitterstäbe, Betonflure, leise und laut zugleich. Du gibst alle Wertgegenstände bzw. so ziemlich alles ab. Dafür bekommst Du das übliche Gefängnispaket. Telefonieren ist nicht erlaubt. Morgen vielleicht. Du kannst weder Familie, Freunde, Bekannte noch Geschäftspartner oder Vorgesetzte informieren. Dir wird bewusst: Du bleibst hier in einer Zelle. Mit wem auch immer, denn Einzelzellen gibt es nicht.

Fragen:

  • Was geht Dir durch den Kopf?
  • Ist Dir Dein Projekt / Deine Arbeit noch wichtig?
  • Schämst Du Dich?
  • Fürchtest Du Dich aufgrund gehörter Geschichten?
  • Was ist Deine grösste Angst?
  • Wie gehst Du mit der Situation um?

Einfluss 3: Erste Unklarheiten

Du wirst aus dem Gefängnis entlassen. Bis zur Verhandlung kann es Monate dauern. Du stehst nun wieder alleine auf der Strasse.

Fragen:

  • Was machst Du als Erstes?
  • Wen rufst Du an?
  • Gehst Du arbeiten?
  • Hast Du Angst, dass Dich jemand sieht?
  • Was machst Du, falls dies geschieht?

Einfluss 4: 14 Tage nicht nach Hause

Erstes grösseres Problem. Es ist Dir aufgrund der Anklage verboten nach Hause zu gehen für die nächsten zwei Wochen.

Fragen:

  • Wohin gehst Du?
  • Wen kannst Du fragen?
  • Erzählst Du jemandem Deine Geschichte?
  • Wo schläfst Du?
  • Wem vertraust Du?
  • Was tun, wenn Dir niemand hilft?

Einfluss 5: Alles fehlt Dir

Du hast Deine Wertgegenstände wieder. Aber nur die Kleidung, welches Du bei der Verhaftung hattest. Alles andere und zwar wirklich alles fehlt. Kleidung, Wohnung, Material.

Fragen:

  • Was besorgst Du Dir zuerst?
  • Weisst Du überhaupt, was Du brauchst?
  • Ist Dir Deine Arbeit noch wichtig? Wenn ja, inwiefern?
  • Was für Gedanken gehen Dir durch den Kopf?
  • Kochen? Wo und mit was?
  • Duschen? Wie und wo?
  • Neue Kleidung braucht oft zuerst eine Wäsche, woher nehmen?
  • Hast Du inzwischen eine Idee, wo Du schlafen wirst?
  • Wo wirst Du all Dein neu gekauftes Material verstauen?

 


Einschub:

Bisher war das Szenario sicherlich nicht angenehm, aber noch beherrschbar. Was, wenn zusätzliche Einflüsse hinzukommen, die Dich extremer belasten? Dir Dein bisheriges Leben komplett zerstören? Lasse die nachfolgenden Einflüsse auf Dich einwirken.


Einfluss 6: Verbotszonen

Dir werden gleich mehrere Verbotszonen auferlegt. Diese sind natürlich in Deiner normalen Umgebung. Missachtung führt zu sofortiger Inhaftierung für mehrere Monate. Gleichgültig, ob Du schuldig oder nicht schuldig bist hinsichtlich der ursprünglichen Ausgangslage.

Fragen:

  • Wie gehst Du damit um?
  • Was macht Dir Sorgen?
  • Hast Du in einer derartigen Angelegenheit wahre Freunde?
  • Wie reagierst Du auf Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen, Kunden?
  • Was wenn in der Zone etwas liegt, das Du eigentlich benötigst?

Einfluss 7: Kinder weg

Nun spürst Du die ganze Kraft des Gesetzes. Man auferlegt Dir ein absolutes Kontaktverbot zu Deinen Kindern. Der Kontakt via Drittpersonen ist ebenfalls verboten. Missachtung oder kleinste Fehler haben die mehrmonatige Inhaftierung zur Folge.

Fragen:

  • Ist Dir Deine Arbeit noch wichtig?
  • Wovor hast Du am meisten Angst?
  • Was beschäftigt Dich innerlich?
  • Wie gehst Du damit um?

Einfluss 8: Zugang zu Dokumenten fehlt

Deine Unterlagen, Dokumente, amtliche Schriften - alles liegt zu Hause. Sämtliche Online-Zugänge sind Dir verwehrt, da Du die Passwörter bzw. Benutzernamen nicht hast. Du musst jedem einzelnen Zugang nachrennen und Dir neue Codes beschaffen. Dein Geld geht zur Neige. Wohnung, Versicherung und alles andere muss bezahlt werden. Auch in dieser, Deiner jetzigen, Situation.

Fragen:

  • Arbeiten: Ja oder Nein?
  • Wie organisierst Du Dich?
  • Wo beginnst Du?
  • Was ist Dir wichtig?
  • Was tun, wenn ein amtliches Dokument verlangt wird und Du hast es nicht?
  • Was tun, wenn jeder alles in schriftlicher Form möchte?
  • Was für eine Geschichte erzählst Du?
  • Wer hilft Dir?

Einfluss 9: Verlängerung

Die zwei Wochen sind rasch um. Du bist froh, wenn es vorüber ist. Doch dann kommt die Info, das Ganze geht in die Verlängerung. Du hast die gleichen Bedingungen zu ertragen, aber für nochmals 12 Wochen (3 Monate).

Fragen:

  • Was geht Dir dabei durch den Kopf?
  • Wohin wendest Du Dich?
  • Kannst Du diese Zeit überstehen ohne Folgen?
  • Was machst Du nun mit Deinem Projekt, Deinem Kunden oder Deinem Job?
  • Was passiert mit Deinem Umfeld?

Einfluss 10: Bürokratie bindet Zeit

Gut ein Drittel der Woche wird durch den Schriftwechsel zwischen Dir und Deinem Anwalt, den Behörden und sonstigen involvierten Stellen gebunden. An eine "normale" Woche ist nicht mehr zu denken. Die Zeit rennt davon, Du hast aber dennoch die gleichen Bedingungen und dies noch für lange Zeit.

Fragen:

  • Wie kannst Du dies mit Deinem Projekt, Deinem Job vereinbaren?
  • Wo und wann findest Du die Zeit dafür?
  • Suchst Du Dir zusätzliche Hilfe?
  • Hast Du genug Wissen über derartige Abläufe?
  • Kannst Du Dich noch konzentrieren?
  • Welche Ängste kommen in Dir auf?
  • Bist Du sicher, dass Du je wieder ein Leben hast?

Abschluss und Aufruf

Stell Dir nun selbst die Frage, ob die bislang gekannt "Hölle" tatsächlich derart schlimm ist. Hat sich Deine "Hölle" gerade in den "Himmel" verschoben? Bist Du auf eine derartige Veränderung überhaupt irgendwie vorbereitet? 

Jeder soll sich mindestens einmal intensiv Gedanken darüber machen, ob und wie er sein Leben (privat wie beruflich) unter solchen Einflüssen steuern würde. Ob das bisherige Leben wirklich so wichtig ist oder es doch wichtigere Dinge im Leben gibt? Was Du anders machen würdest?

Meine Haltung: Kein Job, kein Kunde, kein Vorgesetzter und kein Projekt ist derart wichtig wie Dein Leben!

Frage: Was ist Dir wichtig?

Wichtig - Nicht vergessen

Es kann jederzeit jeden von uns treffen!

 


 

Hier noch die tolle Zeichnung von Christian Botta von Visual Braindump zur Session - Herzlichen Dank an dieser Stelle!

 

 

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