Definition Komplexität

Komplexität kann nicht abschliessend definiert werden und hat einen wesentlich subjektiven Anteil. Josef M. Sussman fasste im Artikel "IDEAS  ON COMPLEXITY  IN  SYSTEMS -- TWENTY VIEWS" aus dem Jahr 2000 zwanzig ganz unterschiedliche Sichtweisen zusammen. Wir müssen uns hier auf eine Definition einigen, die im Zusammenhang mit Projektmanagement relevant ist.

Ein komplexes System zeichnet sich dadurch aus, dass es durch Selbstorganisation zu Emergenz fähig ist.

Was heißt Komplexität im Kontext von Projekten?

Der Aufbau von Komplexität geht typischerweise mit einem gewissen Mass an Unordnung einher, die sich durch Intransparenz und Unübersichtlichkeit auszeichnet. Diese Unordnung wird Entropie genannt. Sie ist quasi der Abfall, der entsteht, wenn Komplexitat aufgebaut wird, so wie Abgase entstehen, wenn wir mit einem Auto fahren. Es ist die Entropie, die uns in Projekten oft Kopfschmerzen verursacht. Ein Projekt, das keine Entropie erzeugt, trägt auch nichts zur Innovation bei.

Projektmanagement hat die Aufgabe, die Entropie so gering wie möglich zu halten. Es werden verschiedene Ansätze versucht. Die vollständige Vermeidung von Entropie ist jedoch prinzipiell unmöglich.

Es ist das vornehmste Ziel eines Projekts, die Komplexität des Systems, in welchem das Projekt durchgeführt wird, zu vergrössern.

Hintergrund zu Komplexität

Ein System kann komplexer oder weniger komplex sein. Komplexität ist eine skalierbare Grösse, genauso wie Kompliziertheit. Ein System kann sowohl komplex als auch kompliziert sein. Ein Beispiel ist das Gehirn. Es ist sicher in gewisser Weise komplex. Es ist durch Selbstorganisation aus weniger Komplexem entstanden und hat die Fähigkeit, durch Emergenz neue, komplexere Systeme hervorzubringen, wie z.B. das Bewusstsein. Emergenz und Selbstorganisation sind typische Eigenschaften von komplexen Systemen. Selbstorganisation ist hier deutlich von Selbstverwaltung und Selbststeuerung zu unterscheiden!

Komplexität entsteht, wenn sehr viele (100'000 bis Milliarden) Einzelteilchen oder Individuen sich gleichmässig und synchron verhalten. Diese Verhalten nennen wir allgemein Mode, in Gesellschaften auch Kultur. Sie wird durch einzelne Individuen aufgebaut, wirkt aber auf die Gesamtheit der Individuen zurück und bestimmt deren Verhalten. Der Zwang, der die Mode auf die Individuen ausübt, heisst Selbstorganisation und bewirkt eine neue, eben komplexere Struktur. Das spontane Auftauchen dieser Struktur heisst Emergenz und kann nicht aus den Eigenschaften der einzelnen Individuen vorausgesagt werden.

Beispiele sind der (globale) Gebrauch von Autos, Mobiltelefonen, Einfamilienhäusern oder Parlamentssystemen, um wahllos völlig verschiedene Bereiche des modernen Lebens zu nennen. Ein Projekt hat das Ziel, die Menge der Individuuen, die einer Mode folgen, zu vergrössern (z.B. Hausbau, SAP-Einführung in einer Autofabrik) oder gar eine neue Mode zu initiieren (z.B. Entwicklung eines neuen, ökologischeren Automobils oder des Smartphones). Man kann also sagen, dass es das erste Ziel eines Projekts ist, die Komplexität der Welt (oder eines Ausschnitts davon) zu erhöhen.

Beiträge auf openPM zu Komplexität

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